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Daniel Nordhorn, Vorsitzender des NPD Kreisverbandes Segeberg-Neumünster vor Hakenkreuzfahne

Nazi-Watch-SH #1: Daniel Nordhorn (Laboe/Kiel)

Wir sind ein loser Zusammenschluss von Antifaschist_innen, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, Neonazis aus Schleswig-Holstein ihrer Anonymität zu berauben. Dazu werden wir auf dieser Plattform in unregelmäßiger Folge Informationen über Akteure der Neonaziszene veröffentlichen. Dabei wird es sowohl bekannte Kader als auch einige „neue Gesichter“ treffen. Heute beschäftigen wir uns mit Daniel Nordhorn, Vorsitzender des NPD-Kreisverbands Segeberg-Neumünster.

Unser Ziel ist es, neonazistische Aktionsräume effektiv einzuschränken. Die Herstellung von Öffentlichkeit halten wir in diesem Zusammenhang für zielführend; zum einen wird das alltägliche Umfeld der oft äußerlich sehr angepasst lebenden Neonazis informiert (zum Beispiel über Suchmaschinen), zum anderen können antifaschistische Zusammenhänge unsere Ergebnisse für ihre Aktionen und Veranstaltungen nutzen.

Alle Erkenntnisse, die wir über die betroffenen Personen öffentlich machen, sind nach gängigen journalistischen Methoden recherchiert und mit Quellen belegt, auch wenn aus Gründen des Quellenschutzes nicht alle Quellen genannt werden können. Gerüchte werden als solche gekennzeichnet.

Wenn ihr Hinweise über neonazistische Umtriebe in Schleswig-Holstein (oder anderswo) habt oder ihr unsere Informationen ergänzen wollt, meldet euch unter: nazi-watch-sh@safe-mail.net

Daniel Nordhorn – Vorsitzender des NPD Kreisverbands Segeberg-Neumünster und „Landesorganisationsleiter“ des NPD Landesverbands

Mit Daniel Nordhorn stellen wir einen der aktivsten NPD-Kader Schleswig-Holsteins vor. Wohnhaft in Laboe bei Kiel ist er Vorsitzender des NPD-Kreisverbands Segeberg-Neumünster und seit kurzem wird er von dem Landesverband der NPD auch als „Landesorganisationsleiter“ betitelt. Im Rahmen seines parteipolitischen Engagements übernimmt er vor allem organisatorische Aufgaben und die Durchführung von kleineren Kundgebungen.

Daniel Nordhorn
Am Ehrenmal 24
24235 Laboe

Nordhorns Leben und seine politische Ausrichtung

Privat lebt der Projektleiter Daniel Nordhorn ein den bürgerlichen Normen eines kleinen Ortes wie Laboe angepasstes Leben. So wohnt er mit Frau und Hund in einem unscheinbaren Reihenhaus nahe dem „Ehrenmal“ in Laboe. Politisch verkörpert Nordhorn einen ewig-gestrigen NS-Nostalgiker, der weder eindeutig dem bürgerlichen, gemäßigten noch dem national-revolutionären Flügel seiner Partei zuzuordnen ist. Für den bürgerlichen Flügel ist sein Habitus zu provokant und seine NS-Bezüge zu eindeutig, für den radikaleren Flügel, vor allem um die Jugendorganisation „JN“, dürfte seine Distanz zu „Autonomen Nationalisten“ und dem kleinkriminellen Milieu vieler Kameradschaften zu groß sein. Eigenes politisches Profil vertritt Nordhorn bei Bezügen zu der NS-Zeit und dort insbesondere bei dem „Gedenken“ an Mitglieder der SS und anderer faschistischer Eliteorganisationen.

Diese Art von „Erinnerung“ an die „gute alte Zeit“ betreibt er vor allem virtuell auf den Webseiten der NPD und in sozialen Netzwerken. Bei öffentlichen Auftritten seiner Partei hält er sich mit dem realitätsfernen Thema der NS-Nostalgie zurück und vertritt, mangels eigener Kampagnenfähigkeit des Landesverbands, die inhaltlich reduzierten, vermeintlich anschlussfähigen Themen der Bundespartei, wie z. B. die „Raus aus dem Euro“ – Kampagne. Damit steht er personifiziert für das Dilemma der schleswig-holsteinischen NPD: als einer der inhaltlich radikalsten Landesverbände mangels Engagement und Personaldecke keine eigenen Themen vertreten zu können und stattdessen die Programmatik der „Seriösen Radikalität“ eines Holger Apfel kritiklos übernehmen zu müssen. In diesem Problem, das mutmaßlich seinen Anteil an der desolaten Lage des Landesverbands hat, könnte die Ursache für die oft schon demonstrative Lustlosigkeit liegen, mit der die örtlichen Strukturen bei öffentlichen Auftritten agieren. Da hilft es auch wenig auf der eigenen Website zu beteuern nicht „weichgespült“ zu sein.

Bei dem Thema Gewalt als Mittel der politischen Auseinandersetzung fällt Daniel Nordhorn immer wieder durch unverhohlene Drohungen gegen politische Gegner_innen auf den Webseiten der NPD auf. Kontinuierlich zu seinen politischen Vorbildern der NS-Zeit ergeht er sich regelmäßig in stumpfen Hasstiraden, bei denen sein von einfachsten Klischees und Ressentiments geprägtes Weltbild gut widergespiegelt wird. Bisweilen verwendet Nordhorn in seinen Textdokumentationen über NPD-Kundgebungen für das Parteiblatt „Schleswig-Holstein Stimme“ oder für die Webseiten der NPD mehr Platz für die Beschimpfung und Bedrohung von Antifaschist_innen als für den Bericht der eigenen Aktionen und Erläuterung der eigenen Programmatik.

Bedeutung innerhalb der Partei

Innerhalb des Landesverbands der NPD wird Daniel Nordhorn zwiegespalten gesehen. Auf der einen Seite steht sein, im direkten Vergleich zu seinem parteipolitischen Umfeld, relativ großes Engagement. So meldet er viele Infostände an und tingelt buchstäblich mit wenigen anderen „Kameraden“ über die Dörfer im Kreis Segeberg und im Bereich Neumünster. Diese Betriebsamkeit dürfte auch dazu geführt haben, dass Nordhorn, obwohl selbst traditionell in der NPD Kiel organisiert, von den führenden Parteikadern in einem ihm fremden Kreisverband direkt als Vorsitzender installiert wurde. Tatsächlich ist seitdem ein vermehrtes Auftreten von Neonazis der NPD in diesem Gebiet zu konstatieren. Auch spricht der neue Titel „Landesorganisationsleiter“ für eine Honorierung seiner Aktivitäten. „Organisationsleiter“ werden in dem Landesverband der NPD Kader genannt, die ohne besondere Parteifunktion in den jeweiligen Organisationseinheiten (Kreisverbände oder Landesverband) organisatorische und strukturelle Arbeit leisten und zum Teil auch für die Vernetzung zu parteiunabhängigen Strukturen zuständig sind (weitere Beispiele: Roland Siegfried Fischer in Kiel oder Marcus Tietz in Ostholstein).

Auf der anderen Seite bringt Daniel Nordhorn in einem Landesverband mit hohem Gewaltpotential, guten Kontakten in militante und kriminelle Szenen und konträr dazu einem ständigen Bemühen um Seriösität nach außen aufgrund seiner fehlenden Selbstkontrolle und unvorsichtig-naiven Art auch Probleme mit sich. Neben vermeintlichen Imageproblemen in Folge der niveaulosen und unseriösen Veröffentlichungen Daniel Nordhorns wurden auch schon Beiträge von NPD-eigenen Webseiten entfernt und korrigiert, da mutmaßlich eine strafrechtliche Relevanz befürchtet wurde. Da Nordhorn sich hierbei nicht auf Antifaschist_innen des autonomen Spektrums beschränkt, sondern auch namhafte Politiker_innen und Funktionär_innen in Ämtern und Gewerkschaften im Namen der NPD beleidigt und bedroht, könnte sich sein hohes Aktivitätsniveau auch zum Bärendienst für seine Partei erweisen. In mehreren Beispielen schon haben insbesondere die provokanten Aktionen Nordhorns dazu geführt, dass eine zivilgesellschaftliche Leugnung neonazistischer Aktivitäten sich in staatlich-bürgerlichen Widerstand gegen die NPD gewandelt haben.

Antifaschistischer Gegenwind

Wie oben schon zu erkennen ist reagiert Daniel Nordhorn unkontrolliert und empfindlich auf politischen Gegenwind gegen seine rassistischen Ressentiments. Ein Beispiel ist das Örtchen Boostedt, in welchem Nordhorn mit „Kameraden“ im Rahmen von Infoständen in Konflikte mit der Zivilbevölkerung geriet und er auf der offiziellen Website seines Kreisverbandes so beleidigende Texte gegen einige bekannte Persönlichkeiten der Ortschaft verfasste, dass nach mutmaßlicher Intervention von führenden Kadern der NPD die Texte von der Internetpräsenz wieder gelöscht wurden. So provozierte er in der Dorfgemeinschaft einen Widerstand gegen die neonazistischen Aktivitäten, der sich ohne das unkontrollierte Vorgehen Nordhorns vermutlich nicht gezeigt hätte. Dieses Beispiel ist in diesem Zusammenhang sicherlich das prägnanteste, allerdings bei weitem nicht das einzige.

Im Frühjahr dieses Jahres wurde Nordhorn Ziel einer direkten Aktion im Rahmen der antifaschistischen Kampagne „Farbe Bekennen“. Im Vorfeld der Landtagswahl 2012 färbten mutmaßlich Antifaschist_innen die Fassade seines Hauses grün ein. Auch diese Artikulation des Widerstandes hat bei Nordhorn Spuren hinterlassen. Zunächst verfasste er direkt an dem Tag nach dem Angriff eine offensichtlich nicht mit anderen Parteikräften abgestimmte Stellungnahme, in der er den Verursacher_innen des Schadens an seinem Haus unverhohlen Gewalt androhte. Außerdem gelang es ihm wohl bis heute nicht die finanziellen Ressourcen aufzubringen den Schaden zu beseitigen.

Solidarisch gilt es Faschist_innen wie Daniel Nordhorn zu bekämpfen und ihnen den Nährboden für ihre neonazistische Hetze zu entziehen!

Quelle: Linksunten.indymedia.org

Bad Segeberg: Kein Raum für Neonazis! Weg mit der NPD!

Foto: Der Evil-Monkey zeigt den Nazis die rote Karte

Für Samstag, den 15.12.2012 meldete der Vorsitzende des Kreisverbandes der NPD Segeberg-Neumünster Daniel Nordhorn einen Infotisch in der Segeberger Innenstadt an

Kurz nach 10.00 Uhr traf Daniel Nordhorn mit vier weiteren Kameraden in seinem voll besetzten Opel-Astra auf dem Marktplatz am Wendehammer ein. Dort angekommen wurden sie bereits von antifaschistischem und bürgerlichem Protest empfangen.

Die anwesende Polizei reagierte überfordert, schien die Situation nicht im Griff zu haben und konnte das Zusammentreffen von Neonazis und den GegenprotestlerInnen nicht verhindern.

Schnell wurden die Neonazis davon überzeugt, dass ihr Infotisch Materialschwächen aufwies. Die Polizei reagierte mit Faustschlägen, sowie Pfefferspray gegen anwesende AntifaschistInnen und versuchte den Protest zu kriminalisieren, in dem sie Platzverweise aussprachen und Personalien aufnahmen. Aufgrund der überforderten Bullen und der unübersichtlichen Situation, veranlasste der diensthabende Einsatzleiter Herr Hirner alle verfügbaren Einsatzkräfte aus Bad Segeberg und weitere Einheiten aus Bad Oldesloe und Lübeck, nach Bad Segeberg um die Neonazis zu schützen.

Mit der „deutschen Pünktlichkeit“ nahmen es die Faschisten an diesem Samstag nicht so genau und so trudelten nach und nach weitere Kameraden ein, wie zum Beispiel das NPD-Mitglied Andreas Knüppel mit seiner Lebensgefährtin, die sich hochschwanger der Öffentlichkeit präsentierte.

Insgesamt beteiligten sich neun Neonazis, zusammengesetzt aus NPD- und Kameradschaftsstrukturen an dem Infotisch in Bad Segeberg. Nach knapp drei Stunden, die einer Farce glichen, zerrissenen NPD-Flyern und geklauten Schulhof-CDs, bauten die Neonazis ihren Infostand ab und traten unter Polizeibegleitung die Heimreise an.

Seit Anfang des Jahres hielt der NPD-Kreisverband Segeberg-Neumünster 17 Infotische, sowie Kundgebungen ab. Der Hobby-Infotischanmelder Daniel Nordhorn war der Einzige, der als Handlager des NPD-Landesverbandes Schleswig-Holstein, hörig genug war sich dafür ausnutzen zu lassen, jede dieser Propaganda-Aktivitäten anzumelden.

Heute musste Nordhorn feststellen das sein Propaganda-Müll aufgrund des starken anwesenden Gegenprotestes in die Schranken gewiesen wurde.

Für Bad Segeberg wird es zukünftig schwerer werden gegen Menschenfeinde wie Nordhorn und seine extrem rechtspolitische Folgeschaft anzugehen, wenn SPD-Bürgermeister Schönfeld daran konsequent arbeitet alternative linkspolitische Projekte zu kriminalisieren und Jugendarbeit aus Bad Segeberg fern zu halten. Der heutige Tag verdeutlichte, dass vorwiegend junge Menschen Gesicht gegen rechte menschenverachtende Propaganda und Ideologien zeigen und bereit dazu sind sich diesen entgegen zu stellen.

Konkret bedeutet das für die Stadt Bad Segeberg, dass linkspolitische Freiräume wie das Hotel am Kalkberg (HaK) eminent notwendig sind um antifaschistischen Widerstand auf die Straße zu tragen und theoretische sowie pragmatische Arbeit zu leisten im Kampf gegen Rassistische Verhältnisse.

Der heutige Tag hat die Notwendigkeit linkspolitischen Protests verdeutlicht. Skurril zu betrachten ist jedoch die Tatsache, dass nach Schließungen von linken Freiräumen sowie Treffpunkten nicht rechter Jugendlicher, Neonazis Raum für die Verbreitung menschenverachtender, rassistischer und diskriminierender Propaganda geboten wird.

Das Bad Segeberger Stadtbild zeigt, dass sich bereits eine rechte Subkultur bildet, was sich anhand von neonazistischer Graffitis und Stickern belegen lässt. Und vor allem Infotische wie der heutige ziehen ideologisch nicht gefestigte Jugendliche an und geben ihnen die Möglichkeit sich in ihrer menschenverachtenden Meinung zu festigen und sich in der rechten Subkultur auszuleben, sowie Zuspruch zu finden.

Aufgrund dieser Unverhältnismäßigkeit sollte sich SPD-Bürgermeister Schönfeld die Frage stellen, ob er bei der Wahl seiner Partei die richtige Entscheidung getroffen hat. Dieter Schönfelds Handeln fördert, dass sich rechte Strukturen in Bad Segeberg festigen und ausweiten können.

Für uns kann das nur konsequent bedeuten:

Antifaschistische Freiräume erkämpfen und verteidigen !
Rassistische Verhältnisse angreifen !
Neonazis offensiv entgegentreten !

Hier der Artikel mit Fotos von den Nazis:

https://linksunten.indymedia.org/en/node/73941

Sowie ein weiterer Artikel auf:

http://hak.blogsport.de/

15.12.2012: NPD-Infostand in Bad Segeberg. Laut gegen Rechts!

Für Samstag den 15. Dezember, hat der Ortsverband der NPD Segeberg-Neumünster erneut einen Infostand auf dem Bad Segeberger Marktplatz (am Wendehammer) von 10.00 – 13.00 Uhr angemeldet.

Das ist bereits das dritte Mal in zwei Jahren, dass die NPD auf dem Marktplatz präsent ist. Außerdem wurden in dieser Zeit duzende Infostände im gesamten Kreisgebiet durchgeführt.

Die NPD feiert den Abriss des selbstverwalteten Jugendkulturzentrums (HaK) als großen Sieg und hofft nun nach langer Zeit der Inaktivität, wieder in Bad Segeberg Fuß fassen zu können.

Viele Bürgerinnen und Bürger schauen einfach weg, wenn Nazis auf offener Straße ihre menschenverachtende Propaganda verbreiten, welche zu etlichen Morden und Anschlägen auf MigrantInnen und Andersdenkende ihren ideologischen Teil beigetragen hat.

Wir tun das nicht! Wir wollen dass die Rechnung der Nazis nicht auf geht!

Seit laut, seit lästig, seit entschlossen!

Kein Fußbreit den Faschisten!

Samless – Piggery (Fight Fascism!)

17.11.2012: Antifa-Demo in Mölln

„Ich kann es immer noch nicht fassen, was am 23. November 1992 mit meiner Familie geschehen ist. Es ist so schrecklich und grausam. Meine Frau Bahide ist tot, Enkelin Yeliz und Ayşe Yilmaz sind tot. Meine Schwiegertöchter sind […] behindert und haben Schmerzen, die Familie ist überhaupt nicht mehr, was sie war. Meine Frau Bahide war der Mittelpunkt meiner Familie – meines Lebens.“ (Nazim Arslan am 23. Juni 1993 vor dem II. Strafsenat, Oberlandesgericht Schleswig)

Am 23. November 1992 werden im Luftkurort Mölln, Schleswig-Holstein, Molotowcocktails in zwei Wohnhäuser geworfen. In der Ratzeburger Straße konnten die Bewohner*innen knapp ihr Leben retten, bei dem Anschlag in der Mühlenstraße gingen die Täter brutaler vor. Sie kippten Benzin in das Treppenhaus, entzündeten es und warfen gegen die Rückseite des Hauses einen Molotowcocktail, um die Fluchtwege zu versperren.

In den Flammen der faschistischen Anschläge starben die 51-jährige Bahide Arslan, die zehnjährige Yeliz Arslan und die 14-jährige Ayşe Yilmaz. Was für ein Leben diese drei Menschen heute führen würden, können wir nicht erahnen. Zusammen mit ihren Familien und Freunden möchten wir ihnen in diesen Tagen gedenken. Im gleichen Atemzug wollen wir jenen, die damals wie heute ihre eigene Rolle in diesem Drama nicht verstehen wollen, zurufen:

„Hört auf mit eurem tatenlosen Gedenken!
Es ist eine Entehrung der Ermordeten!“

Für die Taten verantwortlich zeigten sich die beiden bekannte Neonazis Michael Peters und Lars Christiansen. Beide sind nach Verbüßung ihrer Jugendstrafen wieder auf freiem Fuß. Besonders brisant ist dabei, dass Peters und Christiansen bereits bei den Anschlägen in Rostock-Lichtenhagen beteiligt waren. Trotz mehrerer versuchter Anschläge im September in Pritzier, Kollow und Gudow, bei denen Peters das in Rostock-Lichtenhagen erworbene Wissen zusammen mit anderen Kameraden anwenden wollte, wurde ein Haftbefehl gegen ihn eine Woche vor den Brandanschlägen auf die beiden Wohnhäuser in Mölln abgelehnt.

Im August 1992 rottete sich in Rostock-Lichtenhagen ein deutscher Volksmob vor der „Zentralen Aufnahmestelle für Asylbewerber“ (ZaST) zusammen. Zu dieser Zeit befanden sich vor dieser rund 400 Menschen, vornehmlich aus Rumänien auf der Suche nach einem besseren Leben geflohen, die aufgrund fehlender Aufnahmekapazität unter menschenunwürdigen Bedingungen unter freiem Himmel kampieren mussten. Auf die Forderung nach einer menschenwürdigen Unterbringung der Asylsuchenden entgegnete der damalige Innensenator Rostocks, Peter Magdanz: „Wenn wir weitere Unterkünfte zur Verfügung stellen, kommen noch mehr Asylsuchende. Das zeigt die Erfahrung.“

Mehrere Tage lang belagerte der Volksmob aus Neonazis, rechten Jugendlichen und „den netten Nachbar*innen von nebenan“ die ZaST und griffen jenes mit Steinen, Flaschen und Brandsätzen an. Sie schafften es schließlich, die Asylsuchenden aus „ihrem Viertel“ zu verjagen. Danach wurde eine überwiegend von vietnamesischen DDR-Vertragsarbeiter*innen bewohnte Unterkunft unter dem Jubel von rund 2500 Bürger*innen angegriffen. Der Staat griff erst nach mehreren Tagen ein – doch statt die Täter*innen zu fassen und zu bestrafen und die Flüchtlinge auf ihrer Suche nach einem besseren Leben zu unterstützen, wurden die überwiegend rumänischen Asylsuchenden und vietnamesischen Arbeiter*innen abgeschoben.

Die allgemeine Reaktion auf die Anschläge in Mölln war und ist „Betroffenheit“: Stumme Trauermärsche, Menschen fassen sich an den Händen, bilden Lichterketten durch die Stadt, Kranzniederlegungen und Kerzen in ausgebrannten Wohnungstüren bilden das Stimmungsbild. Dieses von der Stadt und dem Verein „Miteinander Leben e.V.“ organisierte Gedenken wird von Jahr zu Jahr weniger. Diese Betroffenheit, sei sie aufrichtig oder geheuchelt, ist es, die es den Möllner*innen erlaubt, sich in scheinbarer Unschuld zu waschen und ihre eigene Rolle, damals wie heute, nicht zu hinterfragen.

Lange Zeit wurden Neonazis im Herzogtum Lauenburg toleriert, sogar akzeptiert. Peters, der schon seit dem ersten Tag der Pogrome in Rostock dabei war, wurde von den 1400 Bewohner*innen von Gudow nur „der kleine Neonazi“ genannt. Sie störten sich nicht an der Reichskriegsflagge, die aus dem Fenster seiner Wohnung hing. Sie sahen über die zerschlagenen Straßenlaternen hinweg, die nach dem nächtlichen Abmarsch der Neonazitruppe zurückblieben. Sie ignorierten die Benzinkanister, die sich neben Peters‘ Haus stapelten. „Gudow war wie Deutschland – man sah weg und hatte seine Ruhe“, schrieb der Spiegel mehrere Wochen nach den Brandanschlägen in Mölln.

Die Pogrome in Rostock-Lichtenhagen, die Brandanschläge im Herzogtum Lauenburg und anderen Städten und der offene Rassismus der Bevölkerung kamen den regierenden Parteien, die schon seit den 80er Jahren auf die Beschneidung des Grundrechts auf Asyl hinarbeiteten, zu Gute, sodass die bereits fertigen Akten zur Gesetzesänderung nur aus den Schubladen geholt werden mussten und das Asylrecht im Juni 1993 de facto abgeschafft wurde.

Die latent rassistische Grundstimmung der deutschen Bevölkerung zeigt sich auch 20 Jahre nach den Pogromen in Rostock-Lichtenhagen, wenn sich etwa Leipziger*innen über die Unterbringung von Asylsuchenden und geduldeten Menschen in „ihrer“ Straße echauffieren und sich um ihre Lebensqualität und den sozialen Frieden sorgen.

Doch nicht nur der rassistische Mob in Leipzig, der stellvertretend für den alltäglichen Rassismus in Deutschland steht, sondern auch der Staat übt sich in rassistischer Flüchtlingspolitik und Abschiebepraxis. An den von der Grenzschutzagentur Frontex gesicherten Seegrenzen der EU sterben jährlich über eintausend Menschen bei dem Versuch, nach Europa zu gelangen.

Welche Dimensionen der deutsche Rassismus annehmen kann, wurde erst kürzlich durch den quer durch Deutschland mordenden „Nationalsozialistischen Untergrund“ (NSU) und ihren Anhänger*innen sichtbar. Rassismus, der Hass auf alles „Fremde“ und Antisemitismus sind immer noch alltäglicher Bestandteil deutscher Gesellschaft und schlagen uns auf allen Ebenen entgegen.

Diesen Verhältnissen sind wir uns bewusst. Wir wollen sie analysieren, kritisieren und bekämpfen! Zur überregionalen Demonstration am 17.11. in Mölln und zur Aktionswoche vom 17.11. bis 23.11. laden wir daher ein. Starten wird die Demonstration um 12 Uhr am „Bauhof“, in der Nähe des Möllner Bahnhofs. Sagt euren Freund*Innen Bescheid!

- Antifa Herzogtum Lauenburg -

09.11.2012: Mahnwache gegen das Vergessen in Bad segeberg

Bild: Zerstörung einer Synagoge (1938)

In der Nacht von dem 09. auf den 10. November 1938 wurden in ganz Deutschland Synagogen geschändet und zum Teil niedergebrannt. Jüdische Geschäfte wurden geplündert und Jüdinnen und Juden wurden von dem, von der NSDAP aufgehetzten „Volkmob“ auf die Straße getrieben.

Dies war der Beginn der offenen und systematischen Vernichtung der Juden in Europa, die in den unglaublichen Verbrechen in den Vernichtungslagern von Auschwitz-Birkenau, Treblinka, Sobibor und Majdanek ihren grausamen Höhepunkt fanden. Die industrielle Ermordung von Juden, Sinti und Roma, politisch Andersdenkenden und allen Menschen die nicht in das NS-Weltbild passten, war staatlich legitimiert und wurde von der schweigenden Mehrheit akzeptiert und von sehr vielen sogar aktiv unterstützt.

Auch die Synagoge in Bad Segeberg wurde 1938 unter SA-Kommando geschändet und in Brand gesetzt. Das Feuer wurde jedoch wieder gelöscht, da die Feuerwehr in Sorge war es könnte auf die Altstadt übergreifen. Bad Segeberg war in den 1930´er und 1940´er Jahren tief braun. Noch heute schwärmt die Segeberger Zeitung von dem Besuch des Reichspropagandaministers Dr. Joseph Goebbels anlässlich der Einweihung der „Nordmarkfeierstätte“ (heute: Karl-May-Stadion). Zur Zeit befindet sich im ersten Stock des Segeberger Rathauses eine Ausstellung über den Besuch des NS-Propagandaministers und die Feierlichkeiten der NSDAP in Bad Segeberg im Jahre 1938.

Wir wollen nicht an den Kriegshetzer Goebbels erinnern, sondern an die Millionen Opfer des verbrecherischen Nazi-Staates. Und wir wollen an den Widerstand erinnern. An die jüdischen Partisanen von Bialystok, die sich den Nazis todesmutig entgegengestellt haben.

Ihr lebt weiter in unseren Herzen!

Kommt am Freitag den 09. November 2012 um 18.00 Uhr zum Segeberger Marktplatz und setzt ein Zeichen gegen Antisemitismus, Krieg und Unmenschlichkeit!

Nie wieder Krieg! Nie wieder Faschismus!

Antifaschistische Aktion Segeberg

Brauner Terror in Deutschland

Buchtip zum Thema: Terror von Rechts – Die Nazi-Morde und das Versagen der Politik von Patrick Gensing erschienen im Rotbuch Verlag

Für eine andere Welt

“Griechenland, Frankreich, Dänemark, Brasilien oder China – überall auf der Welt regt sich entschiedener Widerstand. Hier der Zorn der Jugendlichen, dort die Kritik an den gesellschaftlichen Verhältnissen, der Aufstand der vom System Ausgeschlossenen.

Nie zuvor war der Geist der Revolte so stark und so verbreitet. Allein im Jahr 2009 wurden weltweit 524 Aufstände gezählt, und fast ein Drittel davon fand in Europa statt. Alle Proteste werden von jungen Menschen getragen, die ihrem Unmut über die Globalisierung Luft machen wollen.”

Dokumentation auf Youtube in vier Teilen:

Teil 1 Für eine andere Welt

Teil 2 Für eine andere Welt

Teil 3 Für eine andere Welt

Teil 4 Für eine andere Welt

Auf die Barrikaden! Es lebe die Revolution!

Viel Spass beim gucken!




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